Weiß auf Weiß malen mit dem Neocolor I – Aquarellfarbe perlt von den weißen Wachslinien ab

Weiß auf Weiß malen: der Zauberstift-Trick, der Aquarellfarbe abperlen lässt

Dieser Beitrag ist aus einem unserer erfolgreichsten Instagram-Posts entstanden. Über 2.500 von euch haben ihn geliebt – und so viele haben gefragt: „Was ist denn dieser Zauberstift?“ Hier ist die ganze Geschichte.

Weiß auf Weiß malen mit dem Neocolor I – Aquarellfarbe perlt von den weißen Wachslinien ab
Weiß auf Weiß: Was zuerst nach nichts aussieht, wird beim ersten Pinselstrich sichtbar.

Weiß auf Weiß malen – geht das überhaupt?

Weißer Stift auf weißem Papier. Klingt erstmal wie der sinnloseste Kreativ-Tipp der Welt, oder? Du malst, und da ist… nichts. Kein Motiv, keine Linie, nur weißes Papier, das dich anschaut.

Und dann nimmst du den Pinsel, ziehst Aquarellfarbe darüber – und plötzlich ist alles da. Jede Linie, jeder Punkt, jedes Blümchen, das du eben blind aufs Papier gebracht hast. Die Farbe perlt einfach von den weißen Stellen ab und lässt dein Motiv leuchtend weiß stehen.

Genau dieser Moment ist der Grund, warum wir den weißen Neocolor I bei uns intern nur noch „Zauberstift“ nennen. Es fühlt sich wirklich so an. Und das Schönste daran: Es ist keine komplizierte Technik, für die du jahrelang üben musst. Du brauchst genau zwei Dinge – einen wasserfesten weißen Wachspastellstift und Aquarellfarbe.

Die Technik dahinter: Wachs mag kein Wasser

Der Trick ist reine Physik, und die ist zum Glück auf unserer Seite. Der Neocolor I von Caran d'Ache ist ein wasserfester Wachspastellstift. Alles, was du damit aufs Papier bringst, stößt Wasser ab – wie eine unsichtbare Schutzschicht.

Wenn du also anschließend mit dem Pinsel und Aquarellfarbe darüber gehst, kann sich die Farbe an diesen Stellen nicht ins Papier setzen. Sie zieht sich zurück, perlt ab, sammelt sich drumherum. Übrig bleibt dein Motiv – strahlend weiß, mit diesen wunderschön unregelmäßigen Rändern, die man mit keinem Pinsel so hinbekommt.

In der Aquarellmalerei nennt man das Maskieren. Sonst nimmt man dafür Maskierflüssigkeit: auftragen, trocknen lassen, übermalen, abrubbeln. Der Zauberstift spart dir all das – er bleibt einfach drin.

Der weiße Neocolor I zeichnet ein Motiv auf weißes Aquarellpapier
Erst mal blind arbeiten: Auf weißem Papier siehst du vom weißen Wachs kaum etwas.

Wichtig: Neocolor I, nicht Neocolor II

Das ist die eine Sache, bei der du aufpassen musst – und die Frage, die uns dazu am häufigsten erreicht. Die beiden Stifte sehen sich zum Verwechseln ähnlich, machen aber genau das Gegenteil:

  • Neocolor I ist wasserfest. Er lässt Aquarellfarbe abperlen und ist damit dein Maskiermittel. Für diese Technik brauchst du diesen Stift.
  • Neocolor II ist wasservermalbar. Er löst sich mit Wasser auf und wird selbst zu Aquarellfarbe. Wunderbar – aber eben genau nicht für den Zauber-Effekt.

Merksatz für alle, die sich das nie merken können (wir auch nicht): Die Eins bleibt, die Zwei zerfließt.

Das brauchst du

Ehrlich gesagt: erschreckend wenig. Das ist auch der Grund, warum diese Technik so ein guter Einstieg ist, wenn du gerade erst mit Aquarell anfängst.

Wenn dein Neocolor irgendwann kurz wird und sich schlecht halten lässt: dafür gibt es den Kreidenhalter. Kleines Ding, großer Unterschied.

Schritt für Schritt: so geht's

1. Papier festlegen und Motiv im Kopf sortieren

Weil du unterwegs kaum etwas sehen wirst, hilft eine grobe Idee, wo was hinkommt. Bei feinen Motiven darfst du auch ganz zart mit Bleistift vorskizzieren.

2. Mit dem weißen Neocolor I malen

Und jetzt: mutig sein. Zieh deine Linien, mal deine Blümchen, schreib deinen Spruch. Drücke dabei ruhig fest auf – je mehr Wachs auf dem Papier liegt, desto klarer perlt die Farbe später ab. Zu zart aufgetragen ist der häufigste Grund, warum der Effekt am Ende schwach aussieht.

Kipp das Blatt zwischendurch ins Licht: Im Streiflicht siehst du das Wachs glänzen und weißt, wo du schon warst.

Aquarellfarbe wird über das mit Neocolor I gemalte Motiv gelegt
Der Moment, auf den man wartet: Die Farbe legt sich drumherum – und das Motiv erscheint.

3. Aquarellfarbe großzügig darüber legen

Jetzt kommt der schöne Teil. Viel Wasser, viel Farbe, ruhige große Bewegungen über das ganze Blatt. Nicht tupfen, nicht schrubben – fließen lassen.

Je dunkler und satter deine Farbe ist, desto stärker der Kontrast und desto spektakulärer der Effekt. Ein blasses Grau wird dir das Motiv nur andeuten. Ein tiefes Indigo, ein sattes Petrol oder ein kräftiges Beerenrot lassen es richtig leuchten.

Das weiße Motiv tritt durch die dunkle Aquarellfarbe deutlich hervor
Je satter die Farbe, desto klarer steht das Weiß darin.

4. Trocknen lassen und nachlegen

Lass das Blatt komplett trocknen, bevor du urteilst. Aquarell wird beim Trocknen immer heller, und das Motiv tritt oft erst dann richtig hervor. Falls es dir zu schwach ist: einfach eine zweite Schicht Farbe drüber. Das Wachs bleibt, wo es ist – du kannst so oft nachlegen, wie du magst.

Fertiges Aquarellbild mit weiß ausgespartem Motiv
Nach dem Trocknen: die typisch unregelmäßigen Ränder, die diese Technik so lebendig machen.

Wenn es schiefgeht – und wie du es rettest

Genau davon haben wir auf Instagram erzählt, und offenbar hat es alle beruhigt: Bei uns ging es beim ersten Versuch auch nicht auf. Zu wenig Wachs an einer Stelle, Farbe zu blass, ein Bereich zu matschig. Passiert.

Das Gute an dieser Technik ist, dass sie sich fast immer retten lässt:

  • Effekt zu schwach? Nimm den Neocolor I noch mal und geh über die Stellen nach, die untergegangen sind. Dann eine weitere Farbschicht darüber. Das funktioniert auch auf schon getrocknetem Aquarell.
  • Farbe zu blass geworden? Trocknen lassen und eine zweite, kräftigere Lasur darüber. Aquarell verzeiht Schichten viel besser als man denkt.
  • Ein Bereich ist matschig? Mach ihn dunkler statt heller. Was in Aquarell zu unruhig ist, wird durch eine satte Lasur meistens ruhig.
  • Motiv an einer Stelle vergessen? Der weiße Gelly Roll deckt auf trockenem Aquarell wunderbar. Damit setzt du hinterher noch Punkte, Linien und Highlights.

Und wenn wirklich nichts mehr geht: Es war Papier. Nimm das nächste Blatt. Ehrlich – niemand hat beim ersten Mal ein perfektes Bild, und das ist überhaupt nicht der Punkt.

Aquarellbild wird mit einer zweiten Farbschicht nachgearbeitet
Nachlegen erlaubt: Eine zweite Lasur bringt oft genau den Kontrast, der noch gefehlt hat.

Fünf Ideen, was du damit machen kannst

Sobald du den Effekt einmal gesehen hast, willst du ihn überall haben. Ein paar Anfänge:

  • Karten mit verstecktem Gruß. Schreib „Alles Liebe“ mit dem Zauberstift und lass den Empfänger es beim Aufklappen entdecken. Funktioniert bei Geburtstagen genauso schön wie bei Trostkarten.
  • Sternenhimmel. Punkte und kleine Sterne mit dem Neocolor I, darüber ein tiefes Nachtblau. Der einfachste Weg zu einem Himmel, der wirklich funkelt.
  • Wiesen und Pusteblumen. Feine weiße Stängel und Samen, darüber ein warmes Grün oder ein Sonnenuntergangs-Orange.
  • Bullet Journal und Sketchbook. Weiße Rahmen und Muster als Hintergrund, darüber eine Lasur. Deine Seite bekommt Struktur, ohne dass du etwas malen musst.
  • Geschenkpapier. Großes Blatt, viele weiße Kringel, eine große Lasur drüber. Geht schneller als jedes gekaufte Papier und sieht besser aus.
Fertiges Ergebnis der Weiß-auf-Weiß-Technik mit Neocolor I und Aquarell
Und am Ende ist doch alles gut geworden.

Häufige Fragen

Funktioniert das auch mit einer normalen weißen Wachsmalkreide?

Im Prinzip ja, das Grundprinzip ist dasselbe. In der Praxis merkst du den Unterschied aber sofort: Günstige Wachsmalkreiden haben wenig Pigment und geben unregelmäßig ab, dadurch wird der Effekt fleckig. Der Neocolor I ist deutlich weicher und dichter – deshalb sind die Kanten so klar.

Kann ich den Zauberstift auch in Farbe benutzen?

Ja, und das lohnt sich. Den Neocolor I gibt es bei uns auch in Scharlachrot und Karmin. Die maskieren genauso zuverlässig, nur bleibt dann eben eine rote statt einer weißen Linie stehen. Sehr schön, wenn du mit einer dunklen Lasur darüber gehst.

Muss ich zwischen den Schritten warten?

Nein, das ist der große Vorteil gegenüber Maskierflüssigkeit. Wachs muss nicht trocknen. Du kannst direkt nach dem Malen mit der Farbe darüber gehen.

Geht die Technik auch auf getöntem Papier?

Ja, und dort wird es besonders reizvoll: Auf getöntem Papier ist dein Weiß schon vor der Farbe sichtbar – du malst also nicht blind. Auf schwarzem Aquarellpapier brauchst du den Maskier-Effekt gar nicht mehr, weil Weiß dort ohnehin leuchtet.

Jetzt du

Der erste Versuch dauert zehn Minuten und braucht genau einen Stift. Nimm ein Blatt, mal blind drauflos und guck zu, wie dein Motiv erscheint. Wir haben das inzwischen dutzende Male gemacht – und es ist jedes Mal wieder dieser Moment.

Alles fürs Ausprobieren findest du bei uns im Caran d'Ache Sortiment – und wenn du deinen ersten Zauber-Versuch auf Instagram zeigst, verlink uns gern. Wir schauen wirklich alles an.

Ganz viel Freude beim Kreativ-Sein,
Mia & das Stifteliebe Team